Schatzkammer

Eine Schatzkammer in einem Kloster – eine Selbstverständlichkeit oder ein Widerspruch?

 

Für die einen versteht es sich von selbst:O

Sie identifizieren Kloster mit Reichtümern, Kostbarkeiten und Schätzen, durch Jahrhunderte angesammelt, an Wert gewonnen und ehrfürchtig aufbewahrt.

 

Für die anderen widerspricht es sich:

In Klöstern leben doch Menschen, die sich dem Ideal der Armut verschrieben haben; ihr Schatz ist im Himmel (vgl. Mt 6,19-21; 19,21; Lk 12,33-34; Jak 5,2-3).

Deshalb braucht er weder gesichert noch bewacht zu werden. Ihn zerstören weder Rost (Metall) noch Motten (Textil) – außerbiblisch ergänzt – weder Schimmelbefall (Buchbestand) noch Wurm (Holz).

 

Wie also kommt ein Kloster zu seinen Schätzen?

OSie sind ursprünglich Materie und Material zum Vollzug des Gottesdienstes, der klösterlichen Menschen nach der Weisung des heiligen Benedikt über alles zu gehen hat! In den offenen Himmel hinein feiern sie und werden zum Echo der Engel. Und darf dem Gotteslob nichts vorgezogen werden und ist der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen, so ist das Gotteslob der Nonnen und Mönche vornehmste Auf-Gabe und die Liebe zu Christus deren Motiv(ation). Der Vater Europas sieht beides identisch, setzt beides gleich. Entfällt Vorzug und Vollzug von nur einem der beiden, so lehrt die Not nicht mehr beten …

Abt Ferdinand Gießauf (1961-1980) ließ das in den klösterlichen Anfängen an der Ostseite des Kreuzganges für den Prior anberaumte Sprechzimmer zu einer neuen Schatzkammer adaptieren und mit bedeutsamen Exponaten aus der barocken Sakristei und aus dem aufgelassenen Stiftsmuseum der Öffentlichkeit zugänglich machen. Der Einbau einer Panzertür vor der Jahrtausendwende erwies sich als Unglück für die beiden Ausstellungsräume, deren klimatische Bedingungen und Pflege darunter zu leiden begann. So entschlossen sich Abt Wolfgang Wiedermann (Abt seit 1996) und sein Konvent anlässlich der Restaurierung der Stiftskirche zu einer Sanierung und Umgestaltung der bisherigen Schatzkammer.